Erdung und Potentialausgleich: die unsichtbaren Helden der Elektrosicherheit

Wie Erdung und Potentialausgleich vor elektrischem Schlag schützen, welche Mängel häufig sind und was wir bei der Elektrokontrolle daran prüfen.

Timur Ilkhan, Geschäftsführer · · 2 Min. Lesezeit

Potentialausgleichsschiene mit angeschlossenen Erdleitern

Bei Elektrosicherheit denken viele an Sicherungen und FI-Schutzschalter. Zwei der wichtigsten Schutzmassnahmen sieht man dagegen kaum: die Erdung und den Potentialausgleich. Sie sind das Fundament einer sicheren Installation.

Warum die Erdung so wichtig ist

Die Erdung verbindet die Installation mit dem Erdreich. Gerät das Metallgehäuse eines Geräts durch einen Isolationsfehler unter Spannung, fliesst der Fehlerstrom über den Schutzleiter ab. Dadurch löst die Sicherung oder der FI-Schutzschalter aus, bevor jemand das Gehäuse berührt und einen Schlag erhält.

Ohne funktionierende Erdung können schon kleine Isolationsfehler zu gefährlichen Spannungen an berührbaren Teilen führen. Auch Überspannungen, etwa durch Blitzeinschläge in der Umgebung, werden schlechter abgeleitet.

Der Potentialausgleich

Der Potentialausgleich sorgt dafür, dass alle leitfähigen Teile eines Gebäudes auf dem gleichen elektrischen Potential liegen. Zwischen Wasserleitungen, Heizungsrohren, Metallkonstruktionen und Schutzleitern darf keine gefährliche Spannung entstehen. Dazu werden diese Teile miteinander und mit der Haupterdungsschiene verbunden.

  • Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene: verbindet zentral Wasser, Gas, Heizung, Fundamenterder und Schutzleiter.
  • Zusätzlicher Schutzpotentialausgleich: in Bereichen mit erhöhtem Risiko, etwa in Badezimmern, Technikräumen oder medizinisch genutzten Räumen.

Typische Mängel

Besonders in älteren Gebäuden finden wir häufig unterbrochene, lose oder gar nicht angeschlossene Erdungs- und Potentialausgleichsleiter. Oft wurden Wasserleitungen aus Metall durch Kunststoff ersetzt, und die Verbindung fehlt danach. Auch ungeeignete Materialverbindungen, etwa zwischen Kupfer und verzinktem Stahl, können mit der Zeit korrodieren.

Die Folgen können sein:

  • Spannungsunterschiede zwischen Geräten oder Rohrsystemen
  • erhöhtes Risiko eines elektrischen Schlags
  • Störungen empfindlicher Elektronik
  • erhöhte Brandgefahr bei Überspannungen

Besonders wichtig bei PV, E-Mobilität und IT

Photovoltaikanlagen, Ladestationen und IT-Systeme arbeiten mit empfindlicher Elektronik und teilweise mit Gleichstrom. Eine mangelhafte Erdung kann hier zu Überspannungsschäden und Fehlfunktionen führen. Bei PV-Anlagen ist der Potentialausgleich zudem Teil des Blitz- und Überspannungsschutzes.

Was wir bei der Kontrolle prüfen

  • Durchgängigkeit und Querschnitt der Erdungs- und Potentialausgleichsleiter
  • Verbindung aller leitfähigen Systeme mit der Haupterdungsschiene
  • Zustand, Korrosion und Zugänglichkeit der Anschlusspunkte
  • Wirksamkeit der Schutzmassnahmen mit Messungen

Fehlende Verbindungen lassen sich in vielen Fällen mit überschaubarem Aufwand durch einen Elektroinstallateur nachrüsten.

Fazit

Erdung und Potentialausgleich wirken im Hintergrund, sind für die Sicherheit aber genauso entscheidend wie Sicherungen und FI-Schutzschalter. Bei der periodischen Elektrokontrolle prüfen wir, ob sie zuverlässig funktionieren.

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